62 Frühstücksspaß

Beim Frühstück lasse ich mir etwas mehr Zeit als vorher. Heute ist mein letztes Frühstück in diesem Hotel und ich weiß gar nicht, was ich auf Koh Samui zum Frühstück bekommen könnte. Schließlich ist es eine Bungalowanlage und Frühstück konnte man nicht dazu buchen.


Ob die ein Restaurant haben? Egal, ich mache mir jetzt nicht Gedanken über Dinge, die noch nicht passiert sind. Zumal ich das jetzt auch nicht ändern kann.

Am Büffet gesellt sich Mrs. Oberschicht von der Schabracke aus dem Denver Clan während ihr Mann mit seinem Schlafzimmerblick a la Harald Juhnke auf Observation nach splitternackter Haut ist. Das merke ich daran, als sein Blick bei einer schlanken Russin mit Monsteroberweite festklebt wie der beste japanische Elefanten-an-die-Decke-Sekundenkleber. Sie könnte Mütterchen Milch heißen und ist die jüngste Frau von Väterchen Frost sein. Als ich mir Alexis erneut anschaue, weiß ich, woran Harald heute denken wird, wenn er sie pimpert.

Alexis steht beim Toaster. Ich springe auf, gehe zu ihr und kralle mir ein Brötchen bevor ich sie anspreche:

„Verzeihen Sie es mir, dass ich Sie so früh am Morgen anspreche. Sprechen Sie deutsch?“
„Ja.“
„Ich hätte eine Frage, wenn es Sie in keiner Weise stören würde.“
„Ach bitte, fragen Sie doch.“
„Meinen Sie, dass man auch ein Brötchen in den Apparat rein tun kann. Ich mag so sehr geröstete Brötchen.“
„Wissen Sie, ich mag das auch sehr gerne. Aber letztens habe ich es versucht, aber es kam kein Brötchen raus. Das Gerät hat es einfach verschluckt!“
„Das ist ja bizarr. Haben Sie sich denn beschwert? Schließlich scheint das Gerät ja fehlerhaft zu sein.“
„Ja, das habe ich schon gemacht. Aber da haben die meinem Mann gesagt, es ginge nur Toast.“
„Ich glaube denen nicht. Es klappt doch in jedem anderen Hotel auch. Da müsste sich eigentlich jemand richtig beschweren und hinweisen, dass das Gerät einfach nur kaputt sei. Wissen Sie, es ist mein letzter Tag hier im Hotel. Auf mich werden die Thais sowieso nicht hören. Sie wissen ja wie es ist hier in Südostasien. Aus den Augen aus dem Sinn. Aber auf eine Frau hören die viel weniger.“
„Lassen Sie mich mal das machen. Ich habe da eine Idee.“

Nachdem ihr Toast raus fällt, geht sie mit einem eleganten und majestätischem Gang schnurstracks zu ihrem Mann und erzählt ihm stehend, dass Sie jetzt nicht jeden Morgen auf ein geröstetes Brötchen verzichten kann und morgen nicht erneut auf pappiges Toastbrot ausweichen wird. Er solle den Leuten sagen, dass sie das Gerät reparieren können. Schließlich sei er ein Mann und spreche bedeutend besser Englisch als sie.

Rausgerissen aus seiner Milch- und Nippelfantasie, ruft er einen der Kellner und geht mit ihm zum Toaster. Mrs. Oberschicht von der Schabracke zeigt mir mit einem Blick und einer Geste, dass sich jetzt alles klären würde. Als Schlafzimmerblick-Harald dem Kellner mit Gesten und Worten erklärt, dass da keine Brötchen rein gehen und das Gerät repariert werden müsse und in jedem Hotel der Welt man Brötchen rösten kann, zeigt der Kellner auf das riesige Schild: Nur Toastbrot in der Toaster.

Ich kann mir das Lachen kaum verdrücken. Zum zweiten Mal frisst er nun dieses Dumpfbacken-Brötchen. Er geht auf seinen Platz und wird seine Frau zurechtweisen. Bestimmt. Hundertprozentig. Das zeigt sein Blick: Zum Schlafzimmerblick ist noch der zornige Blick Dschingis Khans hinzugekommen. Eine Explosivere Mischung kann es nicht geben. Denn neben der Aufregung am Toaster kommt wahrscheinlich einiges an Erregung durch Mütterchen Milch hinzu. Jetzt wäre der Augenblick, sich unter einem Stahltisch zu verbergen, bevor aus dieser Mischung Hulk erwacht und alles kurz und klein schlägt… Ich kriege als ein wenig Angst und halte mich an dem Brötchen fest, dass der Auslöser einer Tragödie sein könnte. Ich glaube, wenn man ihn jetzt nach der Uhrzeit fragen würde, gebe es einen Schlag an den Hals und man würde denken, es sei schon halb acht abends.

„Schatz, in den Toaster darf man keine Brötchen rein tun. Schatz, Sonst bleiben sie stecken.“

Schatz?!

Der Kerl war ein notgeiler, wütender und fast giftgrüner Ferrari auf einer schmalen Landstraße mit 250 Sachen unterwegs und was er rausbringt ist: SCHATZ?!

Als er auf dem Weg zurück war, dachte ich noch einen winzigen Augenblick, ich hätte eigentlich etwas Schlimmes getan und das Eheglück dieses Pärchens aufs Spiel gesetzt. Aber da ist ja bereits alles verloren, wenn er ein Schoßhund ist und auf die Tante nur steigen kann nachdem er eine Milchfabrik von der Nähe betrachtet hat.

Zu allem Überfluss klingelt sein Handy.

„Ich kann jetzt nicht reden und die Menschen beim Frühstück stören.“

Er legt auf. Wenigstens weiß er, wie man sich zu benehmen hat. Quer durch den Raum, drei Tische weiter ruft mein bester Hotelfreund Dr. Arschloch zu ihm rüber:

„Seien Sie achtsam mit dem Telefonieren hier. Da kann eine Person außerordentlich unhöflich werden und Sie in einer sehr unpassenden Art und Weise beleidigen.“

Dr. Arschloch zeigt dabei auf mich. Harald und Alexis schauen mich verwirrt an, weil sie nicht so ganz verstehen, was das zu bedeuten hat.

„Zum Einen ist der Herr sehr höflich gewesen und hat das Gespräch auf ein Minimum reduziert und keinen Menschen gestört. Ein wahrer Gentleman mit seiner sehr charmanten Partnerin. Im Übrigen, bin ich jedenfalls nicht so aufgeblasen wie Sie, dass ich das ganze Hotel mit einem ekelerregenden Gestank verpeste. Widerlich solch ein Verhalten, ständig alle Gäste im Hotel zu belästigen.“

Die deutschsprachige Touristenallianz fängt erneut an zu flüstern und mein Freund das Arschloch versucht sich noch einmal aufzubäumen, um mir den Marsch zu blasen. Ich bin kein besonderes Sprachtalent und wie der Kerl spricht, würde er mich jetzt bestimmt verbal zu Grund und Boden richten. Ich lege mir deshalb die Phrase zu recht, mit der ich ihm wenigstens eine kleine Gegenwehr erbringen kann: „Arschloch, halt’s Maul!“.

Bevor er jedoch loslegen kann, spricht seine Begleiterin zu ihm mit ihrer Hand auf seiner:

„Ich glaube, Sie sollten das lassen. Schauen Sie nur um sich. Die Leute flüstern schon die ganze Zeit. Werden Sie nicht zum Gespött der Leute. Denken Sie doch an Ihren Ruf.“

Er sagt nichts mehr, schaut auf die Decke und schüttelt den Kopf.

Das Frühstück war herrlich. Ab ins Zimmer und auschecken…

2 Gedanken zu „62 Frühstücksspaß“


  1. solche aufgeblasenen leute kann ich nicht ausstehen. gerade solche, die denken, sie wären was besseres, weil ihre 3,50 euro hier was wert sind.

    habe letztens in bangkok eine truppe von leuten getroffen, die hier einige zeit verbringen. aufgeblasene ausländer, die sich nie an das leben in thailand anpassen werden und immer denken, dass die thais doof seien. toastbrote diese leute 😉

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