65 Kaffeeklatsch mit Peach

Ich laufe zum Tresen und Peach schaut mich mit einem verwunderten Blick an und kommt nicht auf die Idee, um mit der Starbucks-Grußformel zu begrüßen. Es scheint, dass sie mich erkannt hat. Sie legt ihre Hände zusammen und sagt:


„Sawadee khaaaaa, Superman. How are you today?“

Dabei grinst sie etwas verschmitzt und sagt den Mädels neben ihr was auf Thai und das große Tussikichern geht los. Ok, man kann sich jetzt verletzt fühlen. Aber jedenfalls hat mich ja schließlich Peach erkannt. Bei so vielen Farangs, die hier rum laufen. Wir Langnasen gleichen uns ja wie ein Ei dem Anderen…

Nur, hat was Peach vergessen. Sie hat es mit einer Langnase zu tun, die sich die Tugenden der Heimat sehr zu Herzen nimmt: Ordentlichkeit und Pünktlichkeit. Mit meinem Suchmaschinenwissen gebe ich ihr die entsprechende Antwort:

“Sawadee khrap, Peach. Where is Mario?”

Sie kichert.

“He is at work.”
“Then he is not able to rescue you now?”

Sie kichert erneut und übersetzt ihren Freundinnen.

“Yes. But I am safety.”
“But what would you do, if Warrio is here?”

Sie kichert nun nicht mehr und schaut mich an. Ihren Freundinnen übersetzt sie auch nicht mehr. Wir schauen uns beide in die Augen und keiner sagt etwas. Wobei ihre Augen etwas runder werden und meine etwas schmaler.

„RRRRRRRRAAAAAHHHHHHHHHH!“, schreie ich los.
„AAAAHHHHHHHHHH“, schreien die Mädels im Chor als Antwort auf.

Nach dem Schreck, fangen die Mädels an zu lachen und Peach fängt auch an zu kichern. Die wenigen Gäste schauen zu uns und wissen nicht, was passiert ist. Eines der Mädels sagt zu Peach etwas und Peach fängt nun auch an zu lachen.

„OK, Mister Warrio. What you want to drink today?“
“One big coffee of the day and a warm chicken sandwich please.”
“OK, Mister Warrio. I will call you.”

Ich setze mich auf meinen Platz mit dem Kaffee und warte, bis mein Sandwich fertig ist. Der Kaffee duftet wieder sehr lecker. Und ich nehme den Deckel ab, um nicht wie ein Kleinkind an einem Nippel zu lutschen. Ich setze den Kaffee ab und schlage die Zeitung auf.

„Mister Warrio!!!“, schreit es rüber und die wenigen Gäste schauen erneut mich an.

Um nicht noch mehr aufzufallen springe ich sofort auf, um zum Tresen zu gehen. Dabei bleibe ich mit meinem Fuß am Tisch hängen und es macht einmal „KLATSCH!“.

Der Kaffee kippt um und ein halber Liter Kaffee sind auf dem feinen Parkett verteilt. Eine riesige Lache Kaffee! Scheiße! Schnell laufe ich zum Tresen und Peach schaut mich an, als ob meine Warrio-Attacke nie passiert wäre. Ich versuche mit Händen und Füßes ihr klar zu machen, dass mir der Kaffee umgekippt wäre und sie versteht nicht ganz. Als ich ihr sage, dass sie mir folgen soll, bekommt sie wieder diesen komsichen Gesichtsausdruck. OK, ich würde auch keinem ohne weiteres folgen, wenn er sich als das Böse vom Bösen outet.

Aber sie folgt mir dann. Als sie sieht, was ich versucht habe zu erklären, lacht sie und sagt:

“That happens me every day.“

Sie schnappt sich einen Mopp und wischt den Kaffeeteich weg. Anschließend kommt sie wieder zu mir mit einem Becher Kaffee und auf dem steht:

“The coffee for Warrio, who every time loose against Peach“.

Ich trinke meinen Kaffee und futtere das Sandwich und lese etwas in der Zeitung. Als ich fertig bin, nehme ich meinen Kuli und schreibe auf den Becher nach Taugenichtsmanier:

“I’ll be back soon!!!!“

Bei rausgehen höre ich die Mädels wieder kichern. Damit habe ich wieder einen Beweis: Die besten Tugenden der Heimat nutzen nie, wenn man ein Waschlappen ist.

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