07 Zimmer 838

Der Portier und ich fahren mit dem Fahrstuhl in den achten Stock des riesigen Hotels. Das Teil besteht aus drei Türmen und einem Nebengebäude. Vier Sterne. Mein Zimmer hat die Nummer 838. Noch immer habe ich etwas misstrauen in die Sache. Wir sind im achten Stock angekommen. Der Portier führt die Karte in den Schlitz der Tür und schon öffnet sich das Schloss.


Das ist der Wahnsinn! Das Apartment ist riesig! Ich habe ein riesiges Kingsize-Bett, ein riesiges Bad mit Wanne. Mancher Mensch, auch in Deutschland, wäre glücklich, solch ein Apartment dauerhaft zu bevölkern.

Der Portier legt meinen Rucksack auf die Gepäckablage und überreicht mir die Schlüsselkarte und fängt sofort an, die Fernbedienung zu erklären. Nebenbei dreht er die Klimaanlage auf „High„. Die Klimaanlage hat vier Stufen „OFF“, „LOW„, „MID„, „HIGH„. Ob ich den Portier frage, ob es auch Klimaanlagen mit Stufe fünf FARANGHIGH gibt? Nein lieber nicht.

Stattdessen überlege ich, was für ein Trinkgeld ich ihm geben sollte. Als er fertig ist, drücke ich ihm mit einem „Thank You“ 50 Baht in die Hand. Mit einem breiten Lächeln, Verbeugung und mit beiden Händen nimmt er die ca. ein Euro an. Einen Euro. In Deutschland hätte mir jeder Türhüter ein zweites Arschloch verpasst.

Der Portier verlässt das Appartement und die Tür fällt ins Schloss. Zeitgleich falle ich in die Kingsize-Bettlandschaft. Als mich die Müdigkeit überrennt, stehe ich auf und gehe gleich ins Bad. Der Badetrog lädt zum hineinlegen ein. Meine Müdigkeit ist dann doch so groß, dass ich die Dusche vorziehe. Ich drehe das Wasser auf lauwarm. Scheiße! Mein Duschzeug liegt fein eingepackt im Rucksack und ich ärgere mich. In der Seifenablage sehe ich ein Stück akkurat verpackte Hotelseife. Ich benutze die Serviceseife eigentlich nie. Später, bei der Abreise, erwische ich mich aber beim Mitnehmen. Warum? Keine Ahnung wieso, denn auch zu Hause nutze ich diese Seife nie. Ich vermute, dass ich mittlerweile eine ganze Schublade voll gestopft mit Hotelbadserviceuntensilien zu Hause habe.

Heute ist jedoch der Tag, an dem ich das erste Mal Hotelseife nutze. Es fühlt sich nicht schlechter an und riecht auch nicht nach Oma. Wie man sich täuschen kann.

Ich trockne mich ab, drehe die Klimaanlage auf „OFF„, obwohl ich ein „Farang“ bin, und falle wieder in die unendlichen Weiten des Riesenbetts. Ich schlafe sofort ein.

50 Baht

Mit klingeln meines Handys werde ich aus meinem Schlaf geweckt. Wie lange habe ich geschlafen? Wieso lasse ich das Teil an? Ich werde ohnehin nicht ran gehen und teure Roaminggebühren abdrücken. Den Anruf stelle ich auf stumm und sehe, dass mich eine ehemalige Kommilitonin anruft. Nachdem sie auflegt, stelle ich das Teil auf lautlos und lege mich wieder hin. Dann klingelt das Telefon erneut. Ich habe vergessen, das Vibrationssignal auszuschalten. Also drücke ich erneut auf stumm und warte bis der Anruf ergebnislos abgebrochen wird. Nachdem ich das Handy vollständig ausgemacht habe, bin ich wach. Effektiv aber nicht mehr müde. Ich kann nicht einschlafen. Ich denke über die kleinen Episoden in dieser kurzen Zeit nach und freue mich auf die Beobachtungen und Begegnungen der nächsten Wochen. Aber am längsten bleibt in meinem Kopf das 50-Baht-Lächeln hängen. Die zwei Typen, Taxifahrer und Portier, haben sich richtig gefreut. Man sagt ja, dass die Asiaten ihre Emotionen nicht nach außen zeigen. Aber ich habe gespürt, wie die Freude der Beiden auf mich gesprungen ist. Ich krame mein Notizblock aus der Hose und schreibe rein:

4. Was sind 50 Baht wirklich Wert? (Schau auch in den Loose)

Nicht mal einen Tag hier und schon habe ich vier Fragen zusammen. Ob ich alle Fragen beantworten kann? Nun bin ich hellwach. Ich stehe auf, ziehe die Vorhänge auf, hole mir einige frische Klamotten aus meinem Rucksack und mache mich fertig. Mein Zimmer habe ich mir nicht mehr genauer angeschaut und ausgepackt habe ich auch nichts. Aber das mache ich später.

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