09 7-Eleven

In Deutschland würde 7-eleven Edeka heißen. Aber es gibt manche Besonderheiten. Man kann bekommt nicht nur abgepackte Ware,


sondern auch Fastfood. Hotdogs, Burger und anderes Fastfood.

Als die automatische Tür sich öffnet, strahlt mich eine Ladung Klimaanlagen-Torpedos an. Also gehe ich, um mir nicht den Arsch abzufrieren, schnell in Richtung Glastürkühlschränke. „Sawadee Kha“ ich und zusammen gefaltete Hände sehe ich noch aus dem Augenwinkel. Aber mich kann nichts aufhalten, schnell eine Flasche Wasser zu nehmen und mich an die Kasse zu stellen. Auch nicht das Angebot von verschiedenen Sorten und Größen Wasser. Ich greife, europäisch vorbelastet, zur Flasche von Nestle. Weil mir eine Flasche zu wenig erscheint, nehme ich gleich zwei.

An der Kasse sagt mir die Frau irgend etwas. Nur was? Sie zeigt auf die Flaschen:

„Nestle, Nestle“
„I know, it’s Nestle.“
„One More. One More.“

Jetzt habe ich es verstanden! Sie will mir eine weitere Flasche aufschwatzen. Wieso soll ich denn noch eine nehmen, wenn ich nicht will? Zwei ist OK, drei zu viel! Die 7-eleven-Marketing-Heinis sollten sich mal von der Starbuckstruppe eine Lehrstunde geben lassen. Ohne Tricks läuft halt nix!

„No, I want only two bottles.“
„No, Nestle three!“

Was? Wenn man Nestle kauft, dann muss man drei nehmen?

„No. No Nestle.“

Sie kichert ihre Kollegin an und plappert mit ihr irgendwas in Thai. Dann geht sie in Richtung Glastürkühlschränke und ihre noch kichernde Kollegin klärt die Sache auf:

„Buy two and take three, Sir.“

Was würde ich jetzt für ein Bild von meinem Doofblickgesicht aus der Überwachungskamera geben. Am liebsten, als ich „No. No Nestle.“ gesagt habe. Die Frau wollte mich aufmerksam machen, dass ich beinahe das Geschäft meines Lebens verpasst hätte und ich schlage ab. Hin und wieder kann ich ganz schön doof sein.

„14 Baht.“

14 Baht? 14!! Ich zahle für drei Flaschen Wasser mit je 600ml Inhalt 14 Baht. Das heisst, 15 Eurocent für einen Liter Wasser von der Edelmarke Nestle, stecke das Wechselgeld ein und gehe raus. In mein Notizheft schreibe ich:

5. Vergleiche die übrigen Wasserpreise mit Nestle

Nachdem ich eine Flasche zur Hälfte geleert habe, fühle ich mich erfrischt. An der Sukhumvit angekommen, laufe ich Richtung Westen und dann in die nächste Straße rein. Ich glaube, dass es die Soi 22 ist. Denn die Straße hat kein Schild. Ich muss mich wohl darauf verlassen. Das Restaurant liegt etwa in der Höhe meines Hotels. Also muss ich soviel wieder hoch laufen, wie ich die Soi 24 runter gelaufen bin. Nach 5 Minuten leere ich die angebrochene Flasche aus. Ich laufe an dutzendweise Massageläden vorbei und alle bieten sie verschiedene Massagen an. Die Frauen haben Polohemden einer Farbe an und sehen aus, wie eine Bowling-Betriebsmannschaft.

Um es klar zu stellen: Es sind keine „Massageläden“ sondern echte Massageläden.

Als ich das Restaurant nicht finde und nochmal fünfundsiebzig Massageläden, achtzehn 7-eleven und zehn Hotels passiere und eine weitere Flasche Edelwasser geleert habe, geht mir der Verdacht durch den Kopf, dass ich vermutlich am Restaurant vorbei gelaufen bin. Ich mache die nächste Flasche Wasser auf, nehme nur einen kleinen Schluck. Schließlich muss ich mir das Zeug irgendwie einteilen. Aber als ich an die achtzehn 7-eleven denke, mache ich die Flasche wieder auf und saufe sie halb aus. Mittlerweile trage ich 1,5 Liter Wasser in mir. Das macht drei halbe Bier. Aber das ist noch nicht so kritisch, denn in der Regel können noch zwei weitere Bier rein und ein halber Breuler mit Brot und ein Krautsalat aus der kleinen Markthalle in Berlin ist auch drin. Irgendwie habe ich Lust auf Huhn.

Als ich wieder am anderen Ende der Soi 22 angekommen bin, habe ich mein Restaurant, wo es bestimmt auch Huhn gibt, noch nicht gefunden. Den Hunger habe ich schon längst im Griff mit dem Wasser im Bauch. Aber ich will endlich sitzen und in Thailand ankommen. Ich laufe die Straße wieder hoch und gebe es fast auf, als ich ein Restaurant sehe, was versucht, sich etwas zu verstecken. Einige Leute sitzen drinnen und essen auch was. Sowohl Asiaten als auch Farangs. Die Klimaanlage wird bestimmt hochgedreht sein, weil dort drei vier Farangs sitzen. Und wenn noch einer rein kommt, werden die vielleicht noch höher drehen? Die Gesichter der Farangs sind ganz entspannt und ich sehe kein zittern in deren Gesichtern. Sie trinken auch keinen Tee oder was anderes Warmes, sondern Bier. Singha.

Ob die wohl Huhn haben? Bestimmt! Ich gehe rein.

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