13 Reiseplanung

Ich komme wieder zurück in mein Zimmer und packe als erstes meinen Rucksack aus und stelle mein Duschzeug ins Bad. Als ich die Kulturtasche öffne, springt mir das Duschgel ins Auge. Reflexartig schmeiße ich das Duschgel in den Papierkorb. Wozu, wenn es besser und einfacher mit Seife geht?


Ich werfe anschließend die Klamotten in den Schrank und nehme mir die Unterlagen für die Reiseplanung vor. Im Zimmer steht ein großer Schreibtisch, auf dem ich die ganzen Sachen ausbreite. Die Reiseroute hatte ich bereits in Berlin festgelegt: Bangkok einige Tage, danach nach Koh Samui und anschließend wieder zurück nach Bangkok.

Für die Fahrt nach Koh Samui habe ich mich für den Zug entschieden. Im Loose finde ich die Fahrpläne und im Text auch, wie man fahren sollte. Außerdem werde ich gleich einen Ausflug in die Khaosan Road machen. Ich habe ja schließlich ein Ziel: Möchtegerns ausmachen!

Für die Zugfahrt entscheide ich mich für die erste Klasse. Warum? Weil im Lonley Planet die zweite empfohlen wird! Am Bahnhof soll man vorsichtig sein, da es den ein oder anderen Schlepper gäbe, der freundlich und gezielt auf Farangs zugeht und diese dann in ein Reisebüro lockt, um Tickets mit erhöhten Preisen zu verkaufen. Gut, merke ich mir.

Während ich nach der nächsten Skytrain-Station schaue, klingelt es an der Tür. Hat etwa Jonathan Hart eine Nachricht für mich hinterlassen? Als ich die Tür aufmache, steht vor mir das Zimmermädchen. Gekleidet, wie man es aus alten französischen Spielfilmen kennt. Wenn ich in Frankreich wäre, hieße sie bestimmt Poulette oder Bernadette. Wenn wir in Berlin wären, dann bestimmt Doreen oder Mandy.

„Good mornig, Sir. Have you laundry?“
„No.“
„Have a nice day.“

Die haben einen Reinigungsdienst. Finde ich Klasse. So muss man nicht kofferweise Klamotten bei sich schleppen, um ein paar Wochen Thailand durchzustehen.

Als ich wieder zurück an den Schreibtisch gehe, läuft die gleiche Szene in meinem Kopf in Berlinerisch ab:

„Räscht schön jutten morjen,wa! Haste Dreckswäsche, oda wat?!“
„Nein.“
„Jut! Wenn nüsch, dann haste och nüscht. Ick will mir ja nüscht streiten und sowat hier! Schüss!“

Ich schüttle kurz den Kopf, um diesen Gedanken los zu werden, und setze mich wieder an den Tisch. Ich muss wieder die Soi 24 runter laufen bis zur Sukhumvit Road und dann in den Skytrain einsteigen. Ich packe den Reiseführer und mein Notizbuch ein.

Im Fahrstuhl lese ich, dass der Tuk-Tuk-Service alle 30 Minuten an die Skytrain-Station fährt. Schön, dass es sowas gibt.

Unten angekommen spreche ich den Portier an:

„You have a Tuk-Tuk-Service to the Skytrain?“
„Yes, Sir. In 15 Minutes.“
„OK, Thank You.“

15 Minuten. Am Fenster stehen zwei Internetterminals. Warum nicht ein paar Minuten ins Netz und nach Mails schauen?

Eine Nachricht vom Rossmann Versand, Drei Nachrichten für Geschlechtsteilverlängerung und blaue Pillen. Dazwischen ein Newsletter von der alten Hochschule. Ich wähle „Alles löschen“ und schreibe eine Mail an meinen Schatz:

Hallo mein Schatz,

mein erster Tag und ich bin froh, dieses Hotel genommen habe. Danke, dass Du mich dazu gedrängt hast! 😉 Ich fahre heute in Richtung Hauptbahnhof und hinterher in die Khao San Road. Mal schauen, wer mir alles begegnen wird. Sicherlich nur tolle Leute! 😉

Ich melde mich bald wieder bei Dir.

Bis Bald.

Die 15 Minuten sind fast um. Ich zahle die Internetnutzung und gehe zum Ausgang. Wieder werde ich freundlich begrüßt und alle bedanken sich fein bei mir. Langsam kann das nervig werden. Das Tuk-Tuk steht auch schon da. Es ist nicht ein gewöhnliches Tuk-Tuk. Es ist in beige und hat ein weißes Stoffdach. Auch die Sitze sehen komfortabler aus. Es ist nicht nur eine Sitzreihe vorhanden, sondern zwei. Der Fahrer ist gekleidet wie die anderen Portiers.

„Sawadee khrap. You drive to the Skytrain Station?“
„Sawadee Khrap. Yes Skytrain. 6 Minutes.“

Ich setze mich rein und warte, bis weitere Gäste kommen. Aber es kommt keiner und der Fahrer startet sein Fahrzeug. In diesem Moment fällt mir ein, dass ich ja kein Tuk-Tuk fahren wollte, weil das ja Dreckschleudern deluxe sind. Aber als ich den Motor höre, staune ich nicht schlecht. Das Fahrzeug surrt wie eine Siam-Katze. Ich schaue nach hinten und keine schwarzen Abgaswolken. Ich frage den Fahrer:

„Is this Tuk-Tuk new?“
„No Tuk-Tuk. No new.“

Ich verstehe nicht. Trotzdem steige ich aus und laufe den Weg runter in Richtung Skytrain Station. Ich laufe die Soi 24 ziemlich rasch runter und gehe zwischendurch in einen 7-eleven rein. Auf dem Weg fällt mir auf, dass vor jedem Hotel und jeder Ausfahrt mindestens ein uniformierter Typ steht. Einige haben sogar weiße Handschuhe an. Sie winken ständig und trillern mit ihren Pfeifen die Auto an.

An der Station laufe ich nach oben. Deshalb heißen die Teile auch Skytrain. Es gibt einige Automaten, wo man sein Ziel anhand eines Plans raussucht, dann die entsprechende Taste drückt und danach soviel Geld reinwirft, wieviel der Automat verlangt. Anschließend bekommt man eine Karte, mit der man das Drehkreuz passieren kann. Am Drehkreuz erblicke ich rechts zwei Schalter, bei denen man Münzen für den Automaten wechseln kann. Auch hier steht ein uniformierter Typ.

Ich passiere das Drehkreuz und laufe eine weitere Ebene hinauf und die Bahn ist schon beim Einfahren…

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