18 Weiße Haut und Cool Man Power Powder

In einem Glastürkühlschrank sehe ich eine große Auswahl an Obstsäften. Ich greife zu einem Orangensaft mit 100% Fruchtsaft. Der Saft im Hotel war auch das einzige, was überhaupt nicht geschmeckt hatte. Er war einfach zu süß.


An der Kasse steht ein Typ, der gerne eine Frau wäre:

„Sawadee khaaaa!“
„Sawadee khrap. This Juice, an espresso and a chicken sandwich, please.“

Transsexuelle gehören in Thailand zum normalen Alltag. Keiner schaut sie schief an oder gibt ihnen keinen Jobb oder macht einen anderen diskriminierenden Scheiß. Ab und zu sieht man die Jungs, wie sie versuchen, ein knackiges Mädel zu sein. Meistens gelingt es ihnen aber dann doch nicht mit den Hausmitteln und sie sehen mehr einem Clown ähnlich, als einer Frau. Genau so sieht auch die Black Canyon Transe aus: Wie ein nett herausgeputzter Spaßvogel.

Ich bezahle und setze mich an einen freien Tisch, von dem ich vieles im Überblick habe. Während ich in mein Sandwich beiße, halte ich Ausschau nach Möchtegerns. Leider sehe ich keine Rambo-Tarnhosen. Macht aber nichts. Auf dem Bildschirm läuft eine Serie, die wohl sehr unterhaltsam ist. Denn alle Thais, die in der Wartehalle einen Sitzplatz haben, schauen aufmerksam zu. Oder sie schlafen oder sie sind Mönche.

Es kommt eine Werbepause und das, was den Thais besonders wichtig ist, sieht man dann sofort: Weiße Haut. Klare, saubere und unverkennbare weiße Haut. Es kommt eine Werbung nach der anderen, die bedeutungsvolle „Whitening“-Produkte offeriert. Dabei sind etliche Kosmetikmarken aus Europa dabei. Nichts scheint so bedeutungsvoll zu sein, wie ungetrübte helle Haut. Während wir uns mit Sonnencreme einscheuern, um keinen Sonnenbrand zu bekommen, klatschen sich die Thais Bottichweise Pasten mit extrem hohem Lichtschutzfaktor auf die Schwarte, um kreidebleich zu werden?! Ich glaube es nicht. Aber es ist wahr.

Es kommt eine Werbung mit einem Typen, der wahrscheinlich ziemlich cool ist. Denn er nutzt ein Puder, was ihn nicht schwitzen lässt. Eisblöcke bilden sich um ihn herum. Puder? Puder! Das ist es! Wir Langnasen brauchen im Taxi die Ventilation, weil wir kein Puder verwenden! Nur so kann man sein, wie der Typ aus der Werbung: COOL!

Ich beiße noch einmal in mein Stulle, die sehr köstlich ist, und nehme einen Schluck vom Orangensaft. Ab und zu kommen einige Traveller unten vorbei, aber so unterhaltsam sind die dann auch nicht. Außer einige Mädels, die mit dem Packen übertrieben haben. Sie schleppen massige Rucksäcke und haben rote Birnen. Urlaub und Entspannung kann so wundervoll sein, denke ich mir. Wie viele haben wohl Bettwäsche dabei? Einige tragen Flipflops. Das sieht dann noch bescheuerter aus: Entengang, Riesenranzen, Höckerrücken und roter Kopf. Erinnert ein bisschen an Kampfhähne bei der Überwindung der Hitze, der eigenen Schwäche und der Kampf gegen das Entenlaufschwunggegengewicht.

Interessant sind dagegen die braungebrannten Thais: Sie haben einen Farang als Partner oder als Begleiter. Wie schnell sich das Schönheitsideal ändern kann.

Ich bin mit meinem Sandwich und einem Saft am Ende und haue des Espresso mit einem Schluck weg. Zeit, los zu gehen: AB IN DIE KHAO SAN ROAD!!

5 Gedanken zu „18 Weiße Haut und Cool Man Power Powder“


  1. tatsächlich werden transsexuelle in thailand sehr stark diskriminiert.

    trotzdem schön das jetzt so viele berichte kommen,
    bin weiterhin dabei:
    gruß,
    BEN


  2. Ich habe da wohl einen anderen Eindruck. Aber du wirst es besser wissen, da Du eine thailändische Freundin hast und mehr von der Gesellschaft erfährst als ich.

    Mir war folgendes aufgefallen: Transsexuelle haben einen Jobb wie andere Menschen in Thailand. Natürlich gibt es die ganzen Shows etc. Aber die meine ich nicht damit. Wenn man sich im Black Canyon Coffee etwas kauft, dann kann es öfters passieren, von einer Transsexuellen bedient zu werden. Ich glaube, da sind wir in Deutschland noch meilenweit weg. Trotz offener Gesellschaft.


  3. trotzdem mußten transsexuelle lange nicht zur thailändischen armee, da in ihrem wehrpass der dicke stempel „geistesgestört“ prangte.
    das mag ja schön sein, weil eigentlich niemand zur armee will, aber es zeigt auch welches ansehen diese menschen in der gesellschaft haben.


  4. Hallo Ben,

    OK, das ist Insiderwissen. Für mich hat es einen anderen Eindruck gemacht. Ich habe wohl einen falschen Vergleich gezogen: Ich habe mit Deutschland verglichen. Aber davon hat ein/e transsexuelle in Thailand wenig, wenn da „Netto“ Diskriminierung herrscht.

    Der Stempel „Geistesgestört“ sollte eigentlich bei Leuten im Pass sein, die sich freiwillig zum „Dienst“ melden … 😉

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