27 „Bla bla bla. Luft. Leer. Pfurz. Pups. Scheiß. Kotz.“

Ich habe wunderbar geschlafen. Beim Zähneputzen muss ich immer wieder an die Bettlakenfraktion denken. Ok, die kommen jetzt wahrscheinlich erst zurück in das Loch, was sie Hotel nennen und sind bestimmt besoffen, kaputt und kotzen das Bettlaken voll. Dann ists auch egal wo man schläft. Hauptsache man schläft.


Ich ziehe mich an und gehe runter zum Frühstück. Das Büffet ist kein Stück größer geworden aber die Reichhaltigkeit wird zweifellos noch vorhanden sein. Ich freue mich schon. Als eine Kellnerin mir einen Platz in der Europäisch-australo-amerikano-Fakultät zuweisen will, verneine ich freundlich und gehe schnurstracks an einen Tisch in der Nähe von Indern oder Pakistanern. Sie haben Kinder und da liegt Heiterkeit in der Luft. Ich mag es nicht, wenn in Restaurants eine Stille herrscht, dass man seinen Tinitus laufend hört. Die Kinder lachen und erzählen sich lustige Sachen. Irgendwie geht das bei denen reih um. Zuerst das eine Kind und die anderen drei Kinder lachen herzlich. Und dann das andere Kind und wieder Gelache. Ich kapiere zwar kein Wort, aber ich muss ständig mitlachen.

Mein Kaffee kommt ich trinke ihn bevor das Büffet attackiert wird. Ich trinke sehr gerne Kaffee. Den Ersten des Tages genieße ich auch am meisten. Keine Ahnung warum, aber der schmeckt immer am Besten. Vielleicht kann ich mich auf den Tag damit einstimmen. Während ich in Gedanken schwelge, was der Tag wohl bringen wird, wie Chinatown ist und wie beruhigend die Bootsfahrt sein wird, höre ich ihn. Wen?

Graf Dr. Arschloch von Großkotzistan!

Haben wir es nicht nach 9 Uhr? Ich schaue verwundert auf meine Uhr. Tatsächlich, es ist 9.12 Uhr. Ist das Meeting etwa zu ende? Er schwafelt wieder laut etwas über Immobilien.

Ich möchte mal etwas zu dieser Sorte von Lebewesen sagen: Ich gebe Menschen, die ich von ihrer Art nicht ausstehen kann, Spottnamen. Er gehört zu dieser Spezies (deswegen Dr. Arschloch). Fortwährend das Telefon an der Backe und in der Öffentlichkeit.

„Bla bla bla. Luft. Leer. Furz. Pups. Scheiß. Kotz.“

Angeblich geschäftlich. Kein Mensch, der einigermaßen seriös ist und einen Jobb erledigt, wo Vertraulichkeit eine unabdingbare Voraussetzung ist, wird sich ausgedehnt in der Öffentlichkeit mit Kunden über Interna auskotzen. Alles abgefuckte Luschen aus Möchtegernhausen! Dieser Graf ist der König der Wichtigtuerluschen. Ohne ihn zu kennen, weiß ich jetzt schon, dass der überhaupt nichts auf dem Kasten hat. Er hat ein Blackberry. Aber nichts als Geschwätz.

Ein Vorurteil? Nein. Das gestrige Telefonat reicht mir alle Mal, um das zu behaupten: Der Kunde wollte abspringen. Blitzartig wurde er seriös und ernst. Wie es sich für den Jobb auch gebührt. Der Kunde hat ihm mit Worten dermaßen fest in die Hoden getreten, dass er nichts mehr essen konnte. Dieser Dumpfbacke hat es die Sprache verschlagen und auf den Wanst hat es auch geschlagen.

Als er sich dann noch zu uns nach Bollywood setzt, zwei Tische weg von mir, fängt mein linker Fuß an zu wippen. Ich bin im Grunde nie sonderlich nervös. Aber man kann mich sehr schnell auf 180 bringen.

Während er weiter telefoniert, winkt er einen Keller herbei und sagt ihm irgendetwas und zeigt auf die Familie. Der Kellner nickt und geht zu der Familie und spricht mit dem Vater und zeigt in Richtung Dr. Arschloch. Augenblicklich ist es am Tisch still. Jetzt reichts mir.

„Pack‘ endlich das Scheißteil von Telefon weg und lass uns hier mal in Ruhe in den Tag herein kommen!“, schreie ich zu dem Pisser rüber.

Im Saal herrscht eine Totenstille. Nicht mal das Besteckklimmpern ist zu hören.

„Wie bitte? Was haben Sie gesagt?“, legt er seine Telefongurke zur Seite.
„Pack‘ das Scheißteil von Telefon weg und lass uns in Ruhe frühstücken.“
„So was lasse ich mir von solch einer Person wie Ihnen nicht bieten! Ich werde mich sogleich bei der Hotelleitung beschweren!“

Ich, niedere Kreatur, stehe auf und gehe zum ihm.

„Ich bin noch vor meinem ersten Kaffee und es ist mir scheißegal bei wem Du Dich beschwerst. Leg auf, zisch ab und beschwer Dich.“

Bevor wir weiter streiten, kommt ein weiterer Mann an den Tisch.

„Meine Herren, bitte kommen Sie doch erstmal zur Ruhe. Was ist denn das für ein Verhalten. Sie sollten hier die Leute wirklich in Ruhe frühstücken lassen und Sie sollten sich jetzt bei dem Herren entschuldigen.“
„Ok, Sie haben recht. Ich habe etwas überreagiert. Wenn er dem Kellner sagt, dass die Kinder ihn beim Telefonieren stören und der Kellner für Ruhe sorgen soll, dann schalte ich manchmal ab. Ein Glück, dass Sie jetzt dazu gekommen sind. Denn ich hatte schon die Faust geformt.“

Natürlich habe ich keine Faust geformt. Nie würde ich ihn schlagen. Sowas ist für Pisser ohne Hirn und Verstand. Aber entschuldigen? Für was? Ich habe ihm ja nicht beleidigt oder so.

„Da Sie sich ja jetzt beruhigt haben, können Sie sich ja bei ihm entschuldigen und sie hören einfach auf zu telefonieren. Das Problem wäre doch für alle gelöst.“
„Nur unter einer Bedingung: Er entschuldigt sich bei der Familie für sein Verhalten.“
„Das werde ich nie tun!“
„Gut, ich werde mich auch nicht entschuldigen. Von einem Ehrenmann (!) wie Ihnen, hätte ich diese Tat als große, weltmännische Geste gesehen. Sie hätten mich beeindruckt und fasziniert. Ehrlich. Aber vielleicht habe ich mich ja getäuscht.“
„Wie bitte? Also Sie können nun überhaupt nicht beurteilen, ob ich ein Gentleman bin oder nicht. Jedoch werde ich auch nicht den Beginn eines Argwohns an meiner Ehrenhaftigkeit aufziehen lassen. Lassen Sie mich vorbei.“
„Sie müssen sich aber auch bei den Kindern entschuldigen.“
„Ja, ja.“

Es hat funktioniert. Dr. Arschloch spricht noch wie die Grafen aus dem Mittelalter und ist ein Mann von Ehre. Ehre. Genau für solche Typen ist sie da.

„Unter uns gesagt, Sie haben schon recht. Wir sind seit drei Tagen hier und der quatscht ständig mit dem Telefon.“, sagt der Schlichter unerwartet und leise zu mir.

Als Dr. Arschloch sich bei den Eltern und den Kindern entschuldigt hat, kehrt er zurück.

„So nun Sie. Er hat sich entschuldigt.“
„Tschuligung, Arschloch!“

Ich drehe mich um und gehe an meinen Tisch. Hinter mir höre ich noch, wie sich der Gockel aufbläst und aufpustest. Aber das ist mir egal. Als ich mich auf meinen Platz setze, sehe ich den Schlichter wegtapsen mit einem unterdrückten Gekicher. An seinen Tisch angekommen erzählt er, was geschehen ist und seine Begleiter fangen an zu lachen. Laut zu lachen. Die Kinder aus Bollywood fangen auch an sich wieder ihre Witzchen zu erzählen. Nur Dr. Arschloch ist traurig. Er haut ab. Mit dem Telefon am Ohr und seiner mittelalterlichen Ehre, womit er sich nicht mal den Arsch abwischen kann.

Mein Kaffee ist kalt und ich gehe zum Büffet. Ich bin hungrig.

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