78 Beer! Beer! Good Beer!

Endlich geht die Fahrt los. Der Zug fährt langsam aus dem Bahnhof und man kann noch sehen, wo der Zug lang fährt. Es ist eine sehr langsame Fahrt durch die Stadt. Wir halten an einigen Stationen innerhalb Bangkoks und es steigen ab und zu eine Handvoll Leute ein. An der Tür des Abteils klopft es.


Ich denke, das wird der Schaffner sein. Simon hebt nicht mal den Kopf und seine Stirn bekommt immer tiefere Furchen. Er spielt mit seinem Zippel-Zöpfchen an der Stirn und ist vertieft in meine kleine Liste. Wunderbar denke ich beim Aufmachen der Abteiltür.

„Beer! Beer! Good Beer!“, werde ich von einem ungepflegten Thai angesprochen. Er ist ein Getränkeverkäufer und hält mir nicht die Bierdose vor die Fresse, sondern versucht mir die Dose gleich in die Hand zu drücken. Aber ich reagiere nicht.

Das ist ein Trick, auf den ich einmal rein gefallen bin: Ich war vielleicht dreizehn vierzehn Jahre alt und an der Tür unseres Hauses klingelte es. Ich machte die Tür auf und ein nett lächelnder Typ stand vor der Tür. Bevor er irgendwas sagte, drückte er mir eine Rose in die Hand und sagte erst dann, dass er diese Rose mir für einen guten Zwecken gegeben habe. Ich solle sie verschenken. Aber sie koste 5 Mark! Ich wollte sie ihm zurück geben aber er nahm sie nicht wieder. Weil ich ihm keine 5 Mark geben wollte und so eine Sülze nicht ausstehen kann, schmiss ich die Rose auf den Boden und machte schnell die Tür zu. Der Mistkerl hat noch einmal gegen die Tür getreten und war dann auch weg. Seit dem: Nie etwas von jemandem nehmen, wenn ich es selbst nicht verlange oder den Menschen kenne.

„Come on! Good beer!“, spricht er mich an und versucht mir auf seine Cool-Man-Masche die Dose anzudrehen.

Ich greife nach hinten und zeige ihm meine vier Flaschen. Dann verzieht er sich mit seiner Kühlbox, die ziemlich nach durch den Dreck gezogen aussieht. Ich habe schon so einige Kühlboxen bei den Straßenverkäufern gesehen. Aber keine war so ekelhaft wie diese Schnapsladenkühlbox der Marke Dünnschissbeschleuniger Premium Plus. Ich mache die Tür zu und sehe Simon weiterhin brüten. Sehr gut. Ich steige die Treppe hinauf zu meinem Lager und lege mich hin. Mache das erste Bier auf.

Glugg, gluck, glück…

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