85 Same same but different

Same same but different

Simon hat es sich auf seinem Bett richtig gemühtlich gemacht und schreibt weiter in seinem Büchlein wichtige Sachen rein. Aber was? Das will ich wissen.



„Are you still my friend?“, frage ich ihn.
„Yes, but you are a wiered guy“, sagt er mit sehr leiser Stimme.
„I am not wiered. Not more or less wiered than you.“
„I am wiered? Why?“
„You have written a business plan for your world tour.“
„But that’s not the same.“
„Same same but different.“

Er überlegt kurz, was ich damit wohl sagen will. Aber es scheint, dass er es begriffen hat. Jeder ist auf eine Art seltsam. Es ist nicht besonders einfach, mein Englisch zu kapieren. Aber wenn es einigermaßen hinhaut, reicht es ja vollkommen.

Als Geste unserer neuen und seltsamen Wegefreundschaft, beschließe ich mich, Simon an meinem Reiseproviant zu beteiligen: Meine Thai-Snacks.

Ich gehe auf mein Bett rauf und schaue runter zu Simon.

„Simon what did the Indians in the Americas if they what to show peace?“
„They smoked the pipe of peace.“
„But here in the train it’s not allowed to smoke it.“
„I never smoked and i would never smoke.“
„I do not smoke, too. But our friendship needs a sign. A symbol.“

Er schaut mich wieder seltsam an, während sich mein Kopf mit Blut füllt.

„A symbol?“
„Yes, like a peacemeal!“
„You are wiered.“

Bevor ich jedoch irgendwie antworten kann, ruft er zu mir hoch:

„You look like an indian and you think like an indian.“
„What? Why?“
„You got a red skin, you are drinking fire water and you need some rituals to get peace.“

Tja, recht hat der Simon. Aber ist mir Wurst und Käse. Deshalb antworte ich ihm gar nicht erst, weil ich weiß, dass er mich zu Grund und Boden weg diskutieren würde und am Ende würde ich seine Cowboy Vorfahren des Völkermordes an den Indianern bezichtigen und keine Friedenspfeife der Welt mit ihm rauchen können.

Also lache ich erstmal und ziehe die Thaisnacks aus meinem Rucksack.

Ich sage ihm „I am Sitting Bull, eat!“ und reiche ein Mister Sheet runter. Mister Sheet ist ein dünnes Algenblatt. Auf der Packung ist ein kleiner Manga-Mann, der ein Blatt hastig wegfuttert. Muss wohl gut schmecken.

„No.“, sagt Simon.
„Eat.“
„No. Thanks“
„Eat.“
„What’s that?“
„Mister Sheet. Peacemeal. Eat it.“
„Well, OK“

Er schnappt sich die Packung und wir öffnen nahezu zeitgleich die Packungen. Das Algenblatt ist ziemlich dünn. Wie kann man sowas überhaupt verpacken? Die Alupackung ist dicker als der Inhalt!

Ich breche ein Stück ab und lass es in meinem Mund zergehen. Salzig. Lecker! Wer Sushi mag, wird es mögen.

„Like sushi“, sagt auch mein zweitbester Freund Simon.

Vorsichtig verstaue ich das dritte Blättchen, welches ich im 7-eleven gekauft hatte, in meinem Rucksack. Das werde ich bei aller Bruderschaft mit Simon nie und nimmer teilen!

Ich habe aber noch weitere Snacks, die ich mit ihm teilen kann. Die Durianpaste. Ich habe sie frisch gegessen und als Konzentrat muss es wohl ein Geschmackserlebnis besonderer Art sein. Ich greife zu meinem Schweizer Taschenmesser und klappe die kleine Säge hervor, schneide die Packung auf und drücke einen Teil auf meinen Finger. Die Paste ähnelt Aprikosenmus, riecht aber etwas intensiver ohne dabei penetrant zu sein. Ich nehme das Stückchen Durianpaste in den Mund und das, was sich in meinem Mund abspielt, löst einen Würgereiz aus. Herr im Himmel, ist das ekelhaft! Wie kann man aus einer himmlischen Frucht ein solch höllisches Mistzeug produzieren?

„I am very tired.“, kündigt Simon die Nachtruhe an.

Inzwischen ist es Tiefe Nacht und im Dschungel sagen sich gerade Plyton und Beutelratte Gute Nacht. Simon steht auf und fragt mich nach dem Restroom. Ich gehe runter, um mir die Zähne zu putzen. Aber das Wasser aus dem Hahn verwende ich nicht.

Simon kommt wieder rein.

„Any problems with the restroom?“
„No. I used the thaistyle restroom. Normally it’s clean.“

„Simon, what are you writing in your small Book?“
„Tomorrow.“

Also morgen will er es mir sagen. Ich steige rauf und bevor ich mich umziehe, warte ich, bis Simon fertig ist. Während dessen starre ich an die Decke und sehe überall an den Lüftungsauslässen der Klimaanlage Mücken. Mücken wo ich auch hinsehe. Das war mir nicht aufgefallen.

Aber ich bin zum Glück vorbereitet…

4 Gedanken zu „85 Same same but different“

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