98 Rostiger Eimer

Diese Express-Boot erinnert mich an meine Jugendzeit. Einmal wegen den Leuten an Bord, es kommt mir vor wie die Klassenfahrt in den Harz. Ich habe noch bis heute das Heft über diese Fahrt. Es war eine schöne Fahrt. Es gibt nur einen Unterschied dazu.

Alle Fahrzeuge haben wenigstens den TÜV gekannt. OK, jetzt kommt der deutsche Ordnungssinn in mir durch und man sollte das Boot nicht mit einem Boot aus Deutschland vergleichen. Aber eine zweite Jugenderinnerung wird in mir trotzdem wach: das Spiel Ports Of Call.

Ports Of Call ist eine Reedereisimulation, die ich auf meinem Amiga 500 gespielt habe. Ziel des Spiels war, innerhalb kurzer Zeit, reich zu werden. Man konnte gegen den Computer oder gegen Freunde spielen. Es hat sehr viel Spass gemacht. Vor allem die Dialoge waren genial. Wenn man das billigste Schiff gekauft hatte, so kam eine Meldung wie “Herzlichen Glückwunsch, hoffentlich hält der Eimer noch eine Weile”.

Wenn dieses Schiff dann ohne eine erste Reparatur auf See gegangen ist, konnte man ausgehen, dass es auf langer Fahrt sinken wird.

Trotz des Verlustes, lachte man mit seinen Freunden über das Sinken, nein hinunter gleiten, zum Meeresgrund und dem anschließend vorbei schwimmenden Fischschwarm.

Auf so einem Kahn bin ich aber nun drauf. Irgendwie mag ich aber nicht an den Schwarm Fische denken. Ich zieh deshalb den Stefan Loose Travel Handbücher Thailand
aus meiner Tasche, um ein wenig Zerstreuung zu bekommen. Als ich dann aber Passagen lese, dass die Expressboote nur bei ruhiger See fahren und Wellengang nicht besonders gut tut, lade ich wieder beim Fischschwarm.

Langsam bekomme ich etwas hunger und krame meine Thaisnacks raus. Mister Sheet lächelt mich und ich greife nach ihm. Ratsch und die Packung ist offen.

“Oh das ischt oana wasch krühnes! Dasch will isch au esche!”, ertönt es links von mir. Ich drehe mich um und sehe ein Prachtexemplar von Hippiefrau. Rote Haare, Dreadlocks und überall Metall im Gesicht. Wenigstens weiß ich jetzt, wo wir Material für eine Leckage im Boot bekommen: einfach ihren Kopf ins Loch stopfen und das Metall ans Boot klemmen.

Zu allem Überfluss packt sie ihren Reiseproviant aus. Ich kann es kaum fassen, aber sie hat Eierkuchen mitgebracht. Aus Deutschland!

Nichts ist unmöglich auf diesem Boot. Aber so komme ich ja auf andere Gedanken. Ein Amerikaner läuft an mir vorbei. Er hat eine Gitarre bei sich und schaut nicht so aus, wie das übliche Hippie-Volk. Er trägt sogar eine lange Stoffhose und ein langärmeliges Hemd, dessen Ärmel er hochgekrempelt hat. Dass er Amerikaner ist, vermute ich an seinem Ticket, welches er in der Brusttasche verstaut hat. Er fragt, ob er sich neben mich setzen kann. Da ich den Platz weder frei halte, noch benötige, habe ich auch kein Problem, wenn er sich da hin setzt.

Wir reden nicht miteinander. Er schaut so wie raus aufs Meer und genießt wohl auch ein wenig die Fahrt im Freien. Solche Nachbarn habe ich gern!



dkb.de

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