115 Straßenrandfutter

Ich entscheide mich und laufe erstmal an der Hauptstraße runter, um noch eine wichtige Sache zu erledigen: eine Badehose kaufen. Es ist sehr laut an der Ringstraße. Kein Wunder, der gesamte Verkehr wird über diese Straße abgewickelt. Leider laufe ich an keinem Laden vorbei, der Textilien verkauft. Stattdessen gibt es sehr viel Bars und Kneipen. Allesamt verlassen oder geschlossen.


Ich komme dann an einer Garküche vorbei. Allerdings muss ich die Straße erstmal überqueren. Das tue ich mit einer gehörigen Portion Respekt und ein wenig schiss… Die Garküche ist eher ein Garküchenrestaurant. Die Chefin könnte als mecklenburgischer Bäuerin durchgehen: stämmig genug, um die Kartoffelernte ganz alleine einzubringen.

Sie hat um die zehn Riesentöpfe aneinander gereiht. Da bedeutet für mich, die Frau kann kochen und das bestimmt gut. Wie werden sonst zehn Töpfe Essen verkauft? Vor mir bestellt noch ein Mann. Der Mann bekommt etwas aus einem der Töpfe.

„Sawadee khrap“, sage ich.

Ohne gruß gehts los:

Topf auf.
„Pork, 20 Baht“.
Topf zu.

Topf auf.
„Pork, 20 Baht“.
Topf zu.

Topf auf.
„Chicken, 20 Baht“.
Topf zu.

Topf auf.
„Pork, 20 Baht“.
Topf zu.

Topf auf.
„Chicken, 20 Baht“.
Topf zu.

Topf auf.
„Chicken, 20 Baht“.
Topf zu.

Jedes essen kostet 20 Baht, alles sieht in ähnlich aus. Sie könnte außerdem Schlagzeugerin sein. Soll schnell wie die Töpfe auf und zu gingen. Phil Collins würde vor Neid und Ehrfurcht verblassen.

„Chicken“, sage ich noch und sie zeigt auf einen Tisch. Soll wohl „Setzen, da, Du Troll!“ heißen. Ich setze mich hin und warte, bis sie mir irgend ein Chicken vorbei bringt.

An einem der sechs Tische sitzt noch der Mann mit dem undefinierbaren Thaiessen. Aber er scheint Gefallen am Essen zu haben. Sein grinsen ist breit. Er verzieht jedoch immer sein Gesicht, sobald er was fleischiges in den Mund führt. Anscheinend Knochen. Ich hoffe, dass er kein Chicken hat und mein Essen nicht grün ist.

Auf dem Tisch steht eine Karaffe voll Wasser. Außerdem ein dreckiges, aber gut gewetztes Messer. Es liegt neben einer großen und flachen Schale mit Gemüse. Der Mann bedient sich und isst das Grünzeug mit seinem Essen. Dabei ist er so ziemlich wahllos.

Ich schaue mir das grüne Zeug näher an und finde was Schnittlauchartiges, Koriander, Petersilie und Basilikum. Ob da noch Oregano oder Thymian liegt weiß ich nicht. Aber das ist noch Allerlei Zeug bei, was ich nicht kenne.

„Chicken!“, werde ich aus dem Grünzeug rausgezogen. Sie packt mir den Teller auf den Tisch. Es ist nicht grün. Es ist rot. Habe ich Glück?

Das Gemüse schmeckt sehr gut. Und die Kokossoße passt auch sehr gut dazu. Aber das Huhn, ist kein Huhn; ich beiße nur in Knochen rein. Als sie die Töpfe aufgemacht hatte, war noch viel drin, also kein Rest, was da auf meinem Teller liegt. Es ist das Essen!

Ich schaue nochmal rüber zum Typen mit dem grünen Essen. Er nimmt die Knochen, knackt sie mit den Zähnen auf und saugt das Mark aus. Jedenfalls sortiere ich die Knochen aus und esse den Rest. Dazu reichlich von der Tischrohkost und vom Reis. Reicht erstmal.

Ich zahle 20 Baht und weiß, es war das letzte Mal hier in diesem Laden.

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