82 Simons stop-and-go

Als ich wieder das Abteil betrete, gehts weiter bei Simon: Mein neuer Freund Simon hat es nicht nur geschafft, abzunehmen und seinen Lebensstil komplett zu verändern. Er hat auch einen kompletten Imagewandel durchgemacht.


Als er nach den ersten 18 Monaten wieder zurück an die Uni kam, haben ihn viele nicht sofort erkannt. Als er sich bei seinen alten Freunden wieder gemeldet hat, ging es auf die Piste. Und dann passierte es. Simon hatte das erste Mal mit einer Frau geschlafen, für die er nichts bezahlen musste! Eine nach der anderen habe er dann flach gelegt. Serielle Monogamie.

Ich trinke nun die dritte Flasche Bier und mein Kopf dreht sich schon ein wenig. Ich bin kein Kampftrinker und ich bin auch kein Komasäufer. Aber es ist etwas verträglicher und Simons Gelaber über Silikonbrüste und Schamhaarrasuren knackiger Mädels wirkt nicht mehr so testesteronhaltig.

Wir haben nun die ersten 18 Monate seines neuen Lebens durch. 18 weitere stehen aber noch vor mir!

Aber das Beste überhaupt ist seine Art zu erzählen. Jedes Mal wenn ich einen Schluck aus der Flasche nehme, stopp er. Außerdem steht er und ich liege auf meinem Bett. Extremes Vermittlungsbedürfnis nenne ich sowas.

Um etwas Schwung in die Sache zu bringen, spiele ich ein wenig mit Simon, indem ich versuche, nach jedem Wort die Flasche an meinen Mund zu führen. Ich schaffe es zwar nicht nach jedem Wort, aber innerhalb von drei Minuten schaffe ich es, Simon mindestens eintausendzweiunddreißig Mal zu unterbrechen!

Das macht Spaß. Aber nun? Ich gehe offensiv an die Sache ran:

“Simon! You are a playboy but you are looking like a hippie fake!”, unterbreche ich seinen Monolog.
“I am not a hippie. I…”
“Simon you are a hippie!!”
“No! Well…”
“Simon! Same Same, but different?!”

Er schüttelt den Kopf und will wieder was sagen. Deshalb mache ich wieder die Trink-und-Stopp-Aktion. Aber Simon labert weiter.

“Simon! I am drinking!”
“Oh excuse me. But…”
“You are not fair. I speak with you in German. That’s fair.”
“But I can’t speak german.”
“Mir doch egal. Besorg’ dir ein Wörterbuch.”
“Sorry can’t understand you.”
“Deshalb brauchst du auch ein Wörterbuch. Ein gutes Wörterbuch.”
“Woytabuick?”
“Ja, ein Wörterbuch.”
“What’s a Woytabuick.”
“Nix Tabu. Nix Buick. Wörterbuch.”
“Nix?”
“Ja. Nix. Nix wie Nixon.”
“Oh, I do not like Nixon. Bad guy.”
“Was ich nun dafür?”
“Sorry, but I can’t understand you.”

Wir schauen uns an und reden kein Wort. Mein Freund Simon ist zutiefst beleidigt. Daher trinke ich erst Mal auf sein Wohl den letzten Schluck aus der dritten Flasche. Man, bin ich vielleicht besoffen. Simon geht wieder auf sein Bett und ich höre, wie er in seinem Buch oder Notizheft rumblättert.

Ich schaue runter zu ihm:

“Simon, excuse me. But I thought you are I funny guy.”

Er sagt nichts. Deshalb gehe ich runter und sage es ihm noch einmal. Er schaut hoch und nickt. Lächelt und schreibt wieder was in sein Notizheftchen.

Bei mir drückt die Blase… hoffentlich sind die vier von vorhin wieder weg…

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