40 Netter Amerikaner

Heute werde ich einige Zeit in der Khao San Road verbringen. Ich möchte mitbekommen, wie die Leute so drauf sind. Bisher war ich nicht so oft da. Heute soll es ein ganzer Tag werden. Außerdem möchte ich mir noch einige Klamotten kaufen. Insbesondere eine Badeshort. Die habe ich zu Hause vergessen.


Auf meinem Zimmer schaue ich nochmal in den Loose, um einige Restaurants in der Khao San Road zu suchen. Ich treffe die Wahl auf zwei Läden: Einen Inder für den Abend und ein Sushi-Restaurant für den Mittag. Ich schnappe mir einen Wäschebeutel und schmeiß die Klamotten von gestern rein.

Ich verlasse mein Zimmer und laufe zum Fahrstuhl. Als sich die Türen öffnen, steht er da: Der deutsche Immobilien-Superman! Seine Begleitung ist auch dabei, sie lächelt freundlich und grüßt. Ich grüße sie zurück und steige in den Fahrstuhl. Das Super-Arschloch schaut mich nach einem verwunderten Blick nicht mehr.

Unten in der Lobby laufe ich zum Ausgang, wo der General-Major der 27. Infanteriedivision der Volksfront der thailändischen Hotels die Tür aufmacht. Als mir einfällt, dass ich fast kein Geld mehr habe, drehe ich um und laufe verärgert zurück zum Fahrstuhl. Da begegne ich erneut dem Immobilien-Duo. Diesmal schaut mich die Frau etwas verwundert an und dann auch wieder weg. Er hat ihr wahrscheinlich gerade erzählt, dass ich ihn zum Arschloch des Hotel gekrönt habe. Aber es ist mir egal. Die beiden sind mir genau so wichtig, als falle in China ein Fahrrad auf einen Sack Reis.

Mit dem Reisescheck in der Tasche gehe ich nun erneut runter. Da ich nicht weiß, wo ich den Reisescheck eintauschen kann, gehe ich zur Rezeption und frage, wo es möglich wäre. Ich habe besonderes Glück. Denn heute ist Sonntag!

Die freundliche Rezeptionisten erklärt mir, dass ich in ein Einkaufzentrum gehen müsste, was nicht weit weg vom Hotel wäre. Ich hole meinen Stadtplan raus und frage sie, wo es sein könnte. Als sie mir versucht zu erklären, wo es liegt, kommt ein Mann zu uns:

„The Carrefour is on my way. You can come with me.“

Die freundliche Einladung nehme ich an und folge ihm zum Parkdeck. Wir unterhalten uns kurz und er sagt mir, dass er US-Amerikaner ist. Als ich ihm sage, dass ich auch Deutschland komme. Grinst er mich an und sagt zu meiner Verblüffung mit stark amerikanischem Akzent:

„Ein Weißbier und ein Bretzel. Bitte.“

Ich schaue ihn wohl ziemlich doof an, als wir am Auto stehen.

„I lived four years in Germany. In Bayreuth.“
„As a member of the US Army?“
„Yes, I was a civil servant in Germany.“
„And you can speak german?“
„It is long times ago. I like this country. But I hate ‚der, die, das!'“

Ich muss lachen.

Wir fahren los und erzählt mir, dass er in Thailand bzw. Bangkok seit sieben Jahren lebt. Er sei jedoch seit langem nicht mehr bei der Armee, aber weiterhin als civil servant im öffentlichen Dienst. Wir reden etwas über Thailand und was Thailand ausmacht. Er erzählt mir, dass ich mir Ayyuthaya anschauen sollte und die Kriegsgefangenen Friedhöfe und und und… Als ich ihm sage, dass ich heute in die Khao San Road gehen will, schmuzelt er. Daruaf hin sage ich ihm:

„I know, Khao San Road is not Bangkok or Thailand.“

Er muss lachen.

„I think the most american people there was one year before in Fort Lauderdale and their parents pay now for holidays with more culture.“

Ich merke, dass wir einer Meinung sind. Am Carrefour angekommen, zeigt er mir noch die Banken und wir verabschieden uns.

Auf dem Weg zu den Banken denke ich über diesen Mann nach. Ich habe keine Vorurteile über böse Amerikaner und der Mann hat mal wieder gezeigt, dass Vorurteile gegen ganze Völker etwas für Dumme ist. Dabei fällt mir ein, was mal eine gut situierte Berufshausfrau gesagt:

„Ich war in der Türkei gewesen. Da ist es total anders. Die Türken sind ja auch Menschen!“

Sie hätte mal etwas die Welt kennen lernen sollen. Den die besteht mehr als aus Tegernsee und Schwarzwald.

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